WERWOLF – DAS TIER IN UNS

 

Mythologisches Wesen und fester Bestandteil vieler düsterer Geschichten durch die Zeiten und Kontinente hindurch. Und doch mehr als ein Alptraum in der Nacht.

Was sind sie? Den Legenden nach sind es Menschen, die sich in blutrünstige Bestien, in mächtige Mischwesen verwandeln, die ihren Durst nach Blut und ihren Hunger nach Menschenfleisch stillen wollen.

Mythen und Legenden

Wo und wann genau die Legenden ihren Anfang nahmen ist ungewiss. Stammen sie aus dem Gilgamesch Epos, dem ältesten Zeugnis westlicher Erzählungen, in dem Gilgamesch seiner Geliebten den Laufpass gab, weil sie einen seiner Freunde in einen Wolf verwandelt hatte (also Hexerei und Werwolferzählung in einem).

Oder hatten diese Legenden ihren Ursprung in der griechischen Mythologie? Lycaon, Sohn des Pelasgus, verärgerte Göttervater Zeus, als dieser ihm die Überreste eines Jungen zum Abendessen servierte. Zur Strafe verwandelte er Lycaon und seine Söhne in Wölfe – daher der Ausdruck Lycanthrop.

Die Isländer hatten nach der nordischen Folklore ihre eigenen Versionen. In der Völsunga Saga entdecken Vater und Sohn Pelze von Wölfen, die den Trägern erlauben sich für zehn Tage in Wölfe zu verwandeln. Die beiden stülpten sie sich über und eröffneten einen Amoklauf in den Wäldern und töteten wild vor sich hin. In ihrer Raserei verletzte der Vater seinen Sohn, aber mit Hilfe eines Raben, dessen Federn heilende Kräfte besaßen, konnte der Vater seinen Sohn vor dem Tod bewahren.

Berichte über Werwölfe

Spulen wir noch ein paar hundert Jahre vor. Wir befinden uns in Frankreich und so genannte „Werwölfe“ waren hier eigentlich Serienkiller. 1521 gingen die Männer Pierre Burgot und Michel Verdun einen Pakt mit dem Teufel ein, der ihnen daraufhin einen Balsam überreichte, mit dem sie sich in Wölfe verwandeln konnten. Dies gestanden sie nachdem sie zahlreiche Kinder brutal ermordet hatten. Sie wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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Ein weiterer Fall in Frankreich desselben Jahrhunderts war der des Giles Garnier, bekannt unter dem Namen „Der Werwolf von Dole“. Auch er konnte sich mit Hilfe eines Balsams in einen Werwolf verwandelt, der wiederum Kinder auf grausame Weise tötete und sie anschließend aß. Der Scheiterhaufen war auch seine letzte Station – man sollte sich vor ziegenbärtigen Handelsvertreter hüten, die einem eine Salbe aufschwatzen wollen.

Für die abergläubische Bevölkerung Europas des 16. Jahrhunderts konnten dies nur Taten eines abscheulichen Ungeheuers gewesen sein. Es steht zur Debatte unter welchem Einfluss die Männer wirklichen standen. Die Spekulationen reichen von halluzinogenen Substanzen, über Geisteskrankheiten, bis hin zu der simplen Tatsache kaltblütige Killer gewesen zu sein. Damals mussten Menschen, die zu solchen Taten fähig waren, dämonische, übernatürliche Wesen sein – Werwölfe.

Der Werwolf von Bedburg

Im Deutschland des 15. Jahrhunderts lebte der wohl berüchtigtste Werwolf jener Zeit. Peter Stubbe war ein wohlsituierter Bauer aus Bedburg. Des Nachts verwandelte er sich jedoch in ein Wolfwesen, das durch die Stadt streifte und ihre Bürger in Fetzen riss.

Nach dieser blutigen Nacht erschossen ihn Jäger, die gesehen haben wollen, wie er sich wieder in menschliche Form zurückverwandelte. Er gestand – unter Folter – Frauen, Kinder, Männer und Tiere getötet und verspeist zu haben. Diesmal war es ein verzauberter Gürtel, der ihm die Kraft verlieh, sich in eine blutrünstige Bestie zu verwandeln.

Wahrscheinlicher ist, dass er Opfer einer politischen Intrige war, nur, dass keine „Hexenjagd“, sondern eine „Werwolfsjagd“ veranstaltet wurde. Dennoch bezeugt auch dieser Fall den starken Hang zum Aberglauben der Menschen jener Zeit und ihre Angst jemand hätte die Werwölfe von der Leine gelassen.

Der Formenwandler

Viele Legenden ranken sich um die Behauptung, dass Werwölfe sich aufgrund eines Fluchs verwandeln und somit dem Willen eines anderen Menschen unterworfen sind. Verzauberte Umhänge, Mäntel und Schürzen aus Wolfspelz stellen eine weitere Möglichkeit dar. Andere behaupten wiederum, der Biss oder ein Kratzer, der von einem Werwolf verursacht wurde, würde den Fluch weitergeben.

In vielen Geschichten ist der Vollmond der Initiator der Verwandlung. Und so weit hergeholt scheint diese Theorie gar nicht zu sein. Eine neuere Studie eines Krankenhauses in Australien hat gezeigt, dass 23 von 91 gewaltsamen Verhaltens der Patienten während des Vollmonds zu verzeichnen sind. Der Vollmond scheint tatsächlich das „Tier“ in uns zu wecken. Die Patienten schrien, kratzten und bissen um sich – die meisten standen allerdings entweder unter Alkohol und/oder Drogen.

Werwölfe – Nur Legende?

Neben den mythologisierenden Erzählungen gibt es medizinische Erklärungen, die uns einen objektiveren Blick auf die Ereignisse freigeben. Nehmen wir Peter von Hameln – wieder ein Peter. 1725 wurde er auf allen Vieren laufend in den Wäldern gefunden. Viele dachten er wäre ein Werwolf, oder zumindest von Wölfen großgezogen worden. Er konnte nicht sprechen, aß mit den Händen und wurde von König George I. und George II. von England am Hof adoptiert und als „Haustier“ gehalten.

Heute geht man davon aus, dass der Junge eventuell unter dem Pitt-Hopkins Syndrom litt, das 1978 entdeckt wurde. Betroffenen Personen sind nicht in der Lage sich verbal zu verständigen, leiden unter Krämpfen, weisen eine ausgeprägte Gesichtsmorphologie auf, leiden unter Atembeschwerden und weisen einen geringen IQ auf.

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Weiter medizinische Erklärungen, die Werwolfhysterien verursacht haben könnten, umfassen die Lycanthropie (eine seltene psychologische Erkrankung, bei der Betroffenen glauben sich in einen Werwolf zu verwandeln), Lebensmittelvergiftungen, Hypertrichose (eine seltene, genetische Dysfunktion, die exzessiven Haarwuchs verursacht), Tollwut und Halluzinationen, die eventuell durch Substanzen hervorgerufen worden waren.

Durch die Jahrhunderte hindurch wurden Werwölfe und andere mystische Wesen dafür benutzt, um das Unerklärliche erklärbar zu machen. Heute glauben wir weniger an derartige Geschichten und stecken sie schnell in die Schublade der Popkultur, beginnend mit dem Filmklassiker von 1941 The Wolf Man.

Aber dennoch, es gibt einen lebendigen Werwolfkult – auch außerhalb von Netflix -, der mit Sichtungen verschiedenster Art einhergeht. Der Werwolf wird uns unweigerlich weiter in unseren Träumen verfolgen und sein Geheul wird die Menschen auf der ganzen Welt nachts schweißgebadet aufwachen lassen – dann, wenn der Mond am hellsten leuchtet.

 

 

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